Karate-Basketball

Hartes Fair Play: Karate-Basketball

Über das Lieblingsspiel der Karateka von Rot-Schwarz-Kiel

Wenn man an sein erstes Karatetraining in unserem Dojo denkt, erinnert man sich kaum noch genau wie das war; nur eine Ahnung noch, wie schwer die Koordination von Armen und Beinen fiel, wie gnadenlos schlecht die Kondition war. Aber eins bleibt unvergessen: das erste Karate-Basketballspiel.

Nein, mich hat damals niemand gewarnt, niemand mir die Regeln erklärt. Wohl deshalb, weil dies Spiel ohne Regeln auskommt, ohne Schiedsrichter, ohne Punktezähler.

… Basketball, wie öde! Ich will kämpfen, nicht für die kleinste Berührung meines Gegners ermahnt werden. Aber alle Anderen sind so begeistert und ich bin das erste Mal dabei, da machen sich Allüren nicht so gut.
Mein erster Ballkontakt – im nächsten Moment liege ich auf dem Boden. Ein Gegenspieler hat mich von der Seite her umgerissen, hält mich auf dem Boden fest. Der Ball ist jedenfalls weg, alle grinsen in mein erstauntes Gesicht, als ich mich mühsam aufrappele.
Das ist schließlich KARATE- Basketball, sagt doch der Name schon, wie man das spielt …

Schnell teile ich die allgemeine Begeisterung für dieses Kampfspiel. Ein bisschen wie Rugby, nur in der Halle und auf Basketballkörbe. Ohne Regeln, barfuss und ohne Schutzausrüstung.

Wer sich ein bisschen verletzt, merkt es meist erst hinterher. Wer es gleich bemerkt, spielt trotzdem weiter, oder setzt sich an den Rand um das Spiel nicht zu stören. Die kleinen Verletzungen haben Zeit bis nach Spielende. Der Ruf: „Wessen Blut ist das hier?“ ist nur Sorge um den eigenen weißen Anzug. Hinfallen darf hier jeder, nur jammern und liegenbleiben gilt als schlechter Stil. Nix für Warmduscher, hier trennt sich die Spreu vom Weizen.

Wirf den Ball mit Händen oder Füßen, umklammere ihn, halte deine Gegenspieler fest, dränge sie ab, oder gehe mit ihnen in den Bodenkampf – um den Ball oder einfach so. Sind deine Gegner zu stark, störe sie wenigstens so gut du kannst. Ein bisschen schubsen, in den Arm fallen, am Anzug festhalten, das geht immer.

Bestimme selbst, wie hart du spielst, die Anderen gehen entsprechen mit dir um. Das ist keine Regel, sondern sehr schnell Erfahrung. Und sorgt trotz der Härte für eine Fairness, wie man sie sonst selten erlebt.

Eben noch im vollen Lauf, – ein harter Stoß von der Seite, der Boden kommt schneller näher als gut ist. Doch eben jener Gegenspieler, der so hart gerempelt hat, packt zu und bremst deinen Fall grad noch etwas ab. Wer dich umschubsen kann, kann dich auch sichern, nächstes Mal geht’s umgekehrt.

Coole Korbwürfe auch der Gegner werden mit Beifall bedacht, Kinder für den Korbwurf schon mal hochgehoben. Ja, auch die Kinder spielen mit, je nach Mut mittendrin oder eher zögerlich. Die Kiddies sind es auch, die die Schärfe aus dem Spiel nehmen. Auf sie wird Rücksicht genommen. – Wenigstens ein bisschen, je nach Zartheit. –

Der erste Blick einer Mutter auf ein Karate-Basketballspiel war, zu sehen wie ihr Sohn über der Schulter eines erwachsenen Gegenspielers lag und einfach zum Korbwurf mitgenommen wurde, weil er so hartnäckig gestört hatte. Im weiteren Verlauf konnte sie ihn selbst noch einen Korb werfen sehen. So etwas gibt Selbstvertrauen!

Obwohl hart um jeden Ball gekämpft wird, geht es nie um den Spielstand, sondern einzig um ein gutes Spiel.
Deshalb enden unsere Spiele immer unentschieden. Wie schon erwähnt, wir brauchen keinen Punktezähler.